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Was für ein verpasstes Bild!

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Gestern habe ich neben dem Bahnhofseingang alte Männer gesehen, die mit russischer Volks- und Militärmusik ihren Zubrot verdienen. Es waren Profimusiker der alten Schule. Das war nicht zu überhören. Meine Beine haben sich von alleine langsamer bewegt, als ich an ihnen vorbei gegangen bin. Und als ich den Metroeingang mit dem Bahnhofseingang verwechselt habe und die Treppe hoch gestiegen bin an der die Musiker gesessen haben, hat sich mir eine unvergessliche Szene präsentiert. Eine waschechte minikleine zerbrechliche russische Oma mit dem echten russischen Tuch auf dem Kopf hat sich langsam zu der Musik gedreht. Sie konnte nicht einmal mehr sicher laufen, aber das hat sie noch geschafft. So ein Bild bekommt man nur ein Mal im Leben zu sehen. Ich hätte heulen können, dass ich zu dämlich gewesen bin meine Kamera rauszuholen und ein kleines Video aufzunehmen. Statt dessen bekommt ihr den Wellensittich Karluscha zu sehen, der auf Russisch Gedichte rezitiert und dem ich versuche verzweifelt...
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PS: Die Zeichnungen sind nicht von mir :(

Gute Geschichten

Seit etwa 10 Min weiß ich, wie mein Plan an der Akademie aussehen wird. Es wird hart. Es fühlt sich jetzt schon nicht nach Spaß an. Und das ist gut so. Sogar sehr gut. Das bedeutet, dass ich vielleicht eine Chance bekomme, trotz wenig Zeit, etwas zu lernen. Denn mit meinen bisherigen Arbeiten konnte ich hier niemanden wirklich überzeugen. Sie erkennen nur das Potenzial. Mehr habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Und, wenn ich die Arbeiten von Studenten sehe, verliere ich kurz den Mut. Ich frage mich, was ich hier eigentlich in ein Paar Monaten erreichen will? Kann man was erreichen? Am besten gar nicht darüber nachdenken. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Und jetzt Themawechsel. Mich haben Beschwerden aus meinem engsten Familienumkreis erreicht. Es heißt, ich würde mit der ironischen und abwertenden Art, mit der ich meine Geschichten gerne schreibe, so einem tollen Land, wie Russland nicht gerecht. Es entstehe ein falscher Eindruck. Jeder weiß, dass positive Geschichten meistens lan...

Diplomatie-undiplomatisch

Diplomatie kann bei Verhandlungen oder im Einzelhandel sehr gute Dienste leisten. Keine Frage. Doch in den meisten Fällen ist ihr Gebrauch mit einem Schnörkel gleichzusetzen. Einem Schnörkel, der an einem klar gegliederten Gegenstand angebracht ist und daher überflüssig und sogar störend wirkt. Er kann unter Umständen den Blick auf die Tatsachen verdecken und damit den Menschen in die Irre führen. Man weiß vor lauter Diplomatie nicht mehr, um was es eigentlich geht, wo man steht und mit welchen Konsequenzen man im Ernstfall zu rechnen hat. Nun gib es sicherlich unterschiedlichste Schattierungen dieser Kunst, die sich sowohl von Volk zu Volk, als auch von Mensch zu Mensch unterscheiden. Was die Diplomatie angeht, so befindet sich Russland noch in der Wiege, höchstens in der Krabbelgruppe. Und obwohl ich die oft anzutreffende Unfreundlichkeit und die forsche Art, der sich im Dienstleistungsbereich verirrten Russen hasse, wünsche ich mir insgeheim, dass dieses Volk NIE die Perfektio...

Eine lange Geschichte / Teil 2

Das Gebäude der Bank «Rossija« ist beeindruckend. Es steht in einem schönen kommunistisch geprägten Teil von St. Petersburg, in der Nähe von »Smolnij« Neben dem Gebäude kommt man sich klein und unwichtig vor, aber der gelbe Stein lässt es recht freundlich und zugänglich erscheinen. Umso schockierender ist der Kontrast, wenn man es geschafft hat, mit beiden Händen die schwere Tür aufzumachen und in das Innere zu gelangen. Würde man sich tief unter der Erde befinden, gäbe es wenig Unterschied. An Tageslicht kann ich mich nicht erinnern, dafür an die schwarz verkleideten Wände mit darauf laufenden Zahlen in rot. Von der Schwelle aus stolpert man fast in die Hände eines hochgradig bewaffneten Mannes mit einer nervösen Stimme, die zu seinem Gesicht sehr gut passt. Noch nervöser ist er geworden, als ich zwei Sekunden gebraucht habe, um auf seine Frage, was ich hier wolle, eine zusammenhängende Antwort zu geben. Ich dachte mir, noch zwei Augenblicke und … Deutschland hat mich zum letz...

Eine lange Geschichte / Teil 1

Am zweiten Freitag in St. Petersburg wurde meine Bankkarte am Geldautomaten eingezogen. Zum Glück geschah es in einem Vier-Sterne Hotel, in dem ich das Geld abgehoben hatte. Normalerweise bleibe ich in solchen Situationen ganz ruhig. Dieses Mal hat es mich aber richtig erwischt. Ich hatte nur noch 50 Euro. Meine Visa-Karte war unbrauchbar, weil mir meine Bank aus Versehen das falsche Datum eingraviert hatte. Kurz gesagt: Ich war in Russland, ich hatte kein Geld und am Mittwoch ging mein Zug nach Moskau. Dem jungen Mädchen an der Hotelrezeption ist nichts Besseres eingefallen, als mir die Telefonnummer der Bank in die Hand zu drücken und mich in ein Hinterzimmer zu setzen, wo ich telefonieren durfte. Ob sie das mit Ausländern, die kein Russisch können, auch so machen? Wahrscheinlich müssen sie es gar nicht. Die Gäste in diesem Hotel können keine Geldprobleme haben. Ansonsten schaffte das Mädchen gerade mal den Satz »ich weiß nicht, was ich machen kann« und, als ich vor Wut fast explodie...

Kleinigkeit zum Glücklichsein

In St. Petersburg stelle ich fest, dass der Aufladegerät von meinem neuen Fotoapparat fehlt. Extra für die Reise gekauft ist die Kamera jetzt unbrauchbar. Also verbringe ich den halben Tag damit, zum Mediamarkt und wieder zurück zu fahren. Alles umsonst. Zwei DIN A4 Seiten mit Hundert Telefonnummern von Geschäften, die so was haben könnten sind ebenfalls nutzlos. Nirgendwo in dieser Stadt ist das Ding zu bekommen, auch in den spezialisierten Geschäften nicht. Ich bin verzweifelt. Einen teuren Fotoapparat will ich kein zweites Mal kaufen. Meine letzte Hoffnung ist ein riesiger Markt für die Elektrotechnik, irgendwo am Arsch der Welt. Und wirklich jeder verspricht, dass man dort Alles findet. Ich rufe Alexej an und handele mit ihm einen Preis aus. Alexej ist eigentlich ein Dipl. Kaufmann, der notgedrungen vorübergehend als Taxifahrer arbeitet. Eines Tages ist er zur Arbeit gekommen und seine Firma hat sich in Luft aufgelöst. Solche Geschichten bekomme ich hier fast jeden Tag zu hören. We...

Bitte kaufen!

In Russland laufen Werbespots auch dann weiter, wenn man das Heim bereits verlassen hat – und zwar in 4-D. Das geschieht vorwiegend in den Regional- und Kurzstreckenzügen. Eines Tages sitze ich in einem der Züge, der mich von Moskau nach Sergeev Pasad bringen soll. Dort gibt es ein sehenswertes Kloster, gegründet von Sergej Radoneschskij. Also versuche ich in mich zu gehen und mich auf eine eineinhalbstündige Reise und deren tieferen Sinn einzustimmen. Kaum startet der Zug werden meine tiefsinnigen Gedanken grob unterbrochen. Im Wagon erscheint eine Frau mit großen Taschen und erläutert knapp und laut die einmaligen Vorzüge von Staublumpen und anderen Produkten für die Sauberkeit. Sie betont immer wieder, dass diese aus deutscher Herstellung stammen und ich vermute, sie meint damit unverwüstlich und lebenslang haltbar. Schade, dass damit nur die deutschen Lumpen und nicht die deutschen Männer gemeint sind. Anschließend sagt sie, dass die Interessenten sich an sie wenden können und geht...

Moskau grüßt

Über Nacht zu fliegen war keine gute Idee.
 Richtig ausschlafen werde ich wahrscheinlich erst in St.Petersburg. Dort habe ich ein Hotel. Hier in Moskau habe ich die Realität. Das heißt ein ca. 2x2 qm. Zimmer, in dem meine Freundin, ihr Mann, ihr Kind und ich schlafen und wohnen. Mein Koffer muss draußen im Flur bleiben. Die schäbige Toilette, das Bad und die winzige Küche werden mit einer weiteren Familie geteilt. Dazu gehört ein Säufer, der seinen Job als Lastfahrer verloren hat, eine Frau, die irgendwelche Tabletten schluckt, während sie wie eine lebende Leiche umherwandert und ein Kind, das mir am meisten Leid tut. Als der Mann sie geschlagen hat, dachte ich, dass Moskau vom Erdbeben der Stärke 5 erschüttert wird. Einmischen darf man sich nicht. Dagegen haben beide was. Es würde auch nichts bringen.
 Als ich heute Nacht mit voller Blase aufgestanden bin, durch den Türspalt gesehen habe, dass auf der Toilette jemand scheinbar erstarrt ist und deswegen gezwungen war ins Bad auszuweich...